zufällige Doku

YouTube – Die schnelle Karriere im Netz (Spiegel TV Doku)


Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind längst digital: 700.000 Neuanmeldungen bei Facebook, 350 Millionen aktuelle Tweets bei Twitter, sowie rund sechs Millionen Minuten frisches Video-Material auf YouTube – wohlgemerkt pro Tag! Nur 20 Jahre nach der Geburt des öffentlich zugänglichen Internets sind soziale Netzwerke für einen Großteil der Bevölkerung so alltäglich und selbstverständlich geworden wie Strom oder fließend Wasser. Allumfassendes Wissen, uneingeschränkte Mobilität und totale Transparenz – eine Illusion? Fest steht, die Welt hat sich mit der Entstehung sozialer Netzwerke nachhaltig verändert. Experten wie der Blogger Mario Sixtus sprechen in der Samstags-Dokumentation von der „Entstehung einer neuen Kultur“ – mit der sich Karriere machen und viel Geld verdienen lässt. Der digitale Jahrmarkt der Eitelkeiten ist mittlerweile zu einem milliardenschweren Geschäft geworden und die Google-Tochter YouTube sein globales Fernsehprogramm. Für die Samstags-Dokumentation gewährt das Unternehmen einen exklusiven Blick hinter seine Klick-Kulisse in Kalifornien. Die Dokumentation zeigt die rasante Erfolgsgeschichte des sieben Jahre alten Unternehmens, beschreibt wie YouTube für seine Partner und insbesondere für sich selbst Unsummen durch Werbung akquiriert: „YouTube ist die Plattform der Zukunft. Jeder Mensch kann Videos produzieren und sie der ganzen Welt zeigen“, propagiert Dror Shimshowitz, Senior Product Manager bei YouTube. „Um alles andere kümmern wir uns. Da sind einige da draußen, die dank YouTube sehr reich geworden sind.“

Beruf: YouTube-Star. Dieser Klick-Kapitalismus erinnert durchaus an den Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“: Die weltweit erfolgreichsten Video-Artisten vereinen mehr als fünf Millionen Abonnenten auf ihrem Kanal und bis zu einer Milliarde Klicks auf jedes ihrer selbstgestalteten Videos. Wie viel sich damit verdienen lässt, ist unklar, nach inoffiziellen Angaben zahlt YouTube pro tausend Klicks rund einen US-Dollar. Die Samstags-Dokumentation begleitet einige der erfolgreichsten deutschen YouTuber wie Y-Titty, Gronkh oder Simon Desue bei ihren Videodrehs oder beim Fantreffen. „Das ist wirklich ein extremer Druck; der auf einem lastet, das sage ich ehrlich“, gesteht der 21-jährige Comedian Simon Desue gegenüber SPIEGEL TV. „Ich muss meinen Fans jede Woche ein neues Video liefern und über die sozialen Netzwerke stetig mit ihnen in Kontakt bleiben, sonst verliere ich Abonnenten und damit auch Einnahmen aus dem Partnerprogramm.“

Der Nachwuchs schart bereist mit den Hufen. Die 13-jährigen Zwillinge Roman und Heiko Lochmann sind Shooting-Stars der Szene, produzieren, filmen und schneiden ihre aufwendigen Musik-Parodien in kompletter Eigenregie. Die Cousins Josua (22) und Benjamin Schmid (19) generieren zehntausende Klicks mit ihren Videos der Trendsportart Slacklinen. Der Rapper Merdan Akbulut, alias Mördan, kennt auch die Schattenseiten des schnellen Online-Ruhms. Sein schief gesungenes Musikvideo „Schaaaatz, ich kann nicht mehr warten!“, gehörte zu den meistgeklickten Webvideos des Jahres 2011, zehntausende Beleidigungen, Kritiken und Drohungen von zumeist anonymen Kommentatoren inklusive. Doch der 23-Jährige bleibt standhaft: „Die heftige Kritik macht mich doch nur stärker, in den nächsten Jahren will ich mit meinen Liedern in die Top 10.“

Soziale Medien sind inzwischen zu einem Muss für Jedermann geworden. Auch Firmen wollen schleunigst auf diesen Zug aufspringen und via Facebook oder Twitter neue Kunden für ihre Produkte gewinnen. Das Know-How für den passenden Online-Auftritt ist jedoch häufig noch nicht vorhanden, spezielle Social Media-Crashkurse sollen helfen. Die Dokumentation begleitet Unternehmer bei ihren ersten Schritten im Social Web und zeigt dabei auch die nicht unerheblichen Risiken und Nebenwirkungen auf.

In der Rubrik „Social Media ABC“ der Dokumentation erklärt „Blogger-Papst“ Sascha Lobo prägnant und unterhaltsam Fachbegriffe wie Hashtag, Shitstorm oder Like-Button und bezieht unter anderem Stellung zum Börsengang von Facebook, sowie zum Streit um das Urheberrecht. „Viele Menschen glauben leider immer noch, dass soziale Medien etwas sind, was da irgendwie auf amerikanischen Servern stattfindet“, bemängelt die Koryphäe der deutschen Netzgemeinde, „dabei ist es vielmehr der digitale Schatten von dem, was sowieso unter uns ist.“