zufällige Doku

Wildwest bei der Wismut (ARD Doku)


Das Jahr 1947; ein deutscher Bergarbeiter kehrt aus der Kriegsgefangenschaft ins Erzgebirge zurück, wo Stalin intensiv nach Uran für die Atombombe graben lässt. Der Heimkehrer Kurt (Vinzenz Kiefer) heuert bei der Wismut an und verliebt sich in die
Tochter des russischen Generaloberst. Eine packende Liebesgeschichte vor historischer Kulisse nimmt ihren Lauf. Eine verbotene Liebe inmitten des „Berggeschreis“. So weit die Fiktion im Film „Der Uranberg“, den Das Erste am 7.Dezember 2011 um 2015 Uhr zeigt. Mit der Begleit-Dokumentation „Wildwest bei der Wismut“ wird ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Ein Blick zurück in die unmittelbare Pionierzeit der Wismut, die
Periode, aus der auch der Spielfilm seine Geschichten und Konflikte bezieht. Ein ganz besonders spannendes Kapitel voller Geheimnisse, bis heute. Zwar dürfte vielen inzwischen bekannt sein, was sich hinter der Tarnbezeichnung Wismut tatsächlich
verborgen hat, nämlich das gigantische Uranförderprogramm der Sowjets im Erzgebirge. Aber die wenigsten haben eine Ahnung davon, mit welch rabiaten Methoden der Uranbergbau hier eingeführt und betrieben wurde. In kürzester Zeit wurde ein unvorstellbares Uran-Imperium regelrecht aus dem
Boden gestampft. Eine Region, die vom Krieg verschont geblieben war, wurde ohne Rücksicht auf Verluste umgekrempelt. Überall wurde nach dem begehrten Stoff, aus dem die Bombe ist, gesucht, gebohrt, geschürft, gebuddelt. Der Uran-Hunger der Sowjets war grenzenlos. Die Gefahren der radioaktiven Strahlen wurden einfach ausgeblendet. Die Kumpel bekamen weder Informationen über die Strahlung noch über die anderen Gefahren, die im Berg auf sie lauerten. Die wenigsten gingen aus Begeisterung zur Wismut. Viele wurden schlicht zwangsverpflichtet. Wer sich weigerte, bekam keine Lebensmittelkarten mehr. Viele
ließen sich aber auch durch großzügige Versprechungen wie Sonderzuteilungen an Lebensmitteln und tolle Verdienstmöglichkeiten locken. Auf manchen Plakaten war
von Monatslöhnen über 10.000 Mark zu lesen, astronomische Dimensionen in einer Zeit, wo knapp 300 Mark im Durchschnitt verdient wurden. Inmitten der wild zusammengewürfelten Wismut-Gesellschaft herrschten eigene Gesetze und raue
Sitten. Der Schnaps floss in Strömen. Frauen umschwirrten die Kumpel-Kneipen und Quartiere. Viel Abwechslung war hier nicht zu haben. Irgendwie musste das viele Geld schließlich ausgegeben werden. Manche zündeten sich mit den Geldscheinen
die Zigaretten an, andere fuhren mit dem Taxi zur Arbeit.
Aber selbst die reichsten Kumpel mussten unter unsäglichen Bedingungen in Massenquartieren kampieren. Konflikte waren vorprogrammiert. An Zahltagen ging es besonders hoch her. Schlägereien waren an der Tagesordnung. Wenn Polizei
erschien, verbündeten sich die Kumpel prompt gegen die Ordnungskräfte, die in den ersten Jahren absolut nichts zu melden hatten. „Wildwest bei der Wismut“ ist eine Dokumentation, die ebenso wie die Fiktion „Der Uranberg“ auf emotionale Wucht und spannende Geschichten setzen kann. Zum einen, weil auf eine beeindruckende Protagonisten gefunden wurden. Menschen, die
das Wismut-Geschehen seinerzeit sehr unmittelbar und auch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben. Zum anderen, weil exklusives Archivmaterial recherchiert werden konnte. Insbesondere das 8-Millimeter-Filmmaterial des Heimatforschers C. Teller ist noch nie zu sehen gewesen. Beeindruckende Ansichten aus einer Zeit und Zone, in der Bildermachen streng
verboten war. Mit Glück und Geschick gelangen sogar einmalige Filmbilder vom Abzug der sowjetischen Wachmannschaften aus der Wismutregion im Jahre 1956, zehn Jahre nachdem sie die Postentürme gebaut und besetzt hatten. Die Doku beleuchtet genau diese wilden Jahre der Wismut, die so unbeschreiblich
widersprüchlich, brutal und lebendig waren. Voller Zäsuren, Abenteuer, Chaos, Anarchie, Terror und Tragödien.

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