zufällige Doku

Wie die Autobahn ins Rheinland kam (PHOENIX Doku)


„So werden die Straßen der Zukunft aussehen“ – mit diesen Worten eröffnet Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer im August 1932 feierlich die „Kraftwagenstraße Köln-Bonn“.

Die 20 Kilometer lange Strecke, die heutige A 555, ist die erste Autobahn Deutschlands: kreuzungsfrei, vierspurig und nur für Automobile zugänglich. Über 5.000 „Notstandsarbeiter“ hatten sie seit 1929 in Handarbeit gebaut, Bagger und Förderbänder waren verboten – die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hatte Vorrang vor einer schnellen Fertigstellung. Heute führen 2.200 Kilometer Autobahn durch Nordrhein-Westfalen, eine der Regionen mit der größten Autobahndichte Europas. Die Staumeldungen im Radio sind minutenlang, Staus ein fester Bestandteil des mobilen Lebens. Auch heute wird um jeden neuen Streckenabschnitt heftig gerungen – wie schon vor 80 Jahren, als sich der Rat der kleinen Gemeinde Urfeld beschwerte, dass sie über Gebühr belastet und der Nachbarort von den Bauarbeiten weitgehend verschont bliebe. Die Geschichte der A 555 erzählt beispielhaft die Entwicklung des Verkehrs in Nordrhein-Westfalen im Wandel der Zeiten, mit allen Folgen, die die neue Mobilität auf Land und Leute hatte. Und nicht zuletzt räumt die Dokumentation auch mit der Legende auf, die Nationalsozialisten hätten die Autobahnen „erfunden“ – die „Straßen der Zukunft“ wurden schon lange zuvor von den Ingenieuren und Planern der 20er Jahre ersonnen. Allerdings machten die braunen Machthaber sich das Konzept der schnellen und modernen „Kraftwagenstraße“ rasch zunutze und so entstanden in den 1930er Jahren zahlreiche Strecken – begleitet von reichlicher Propaganda: Brettspiele zur „Reichsautobahn“ und Autorennbahnen mit Blechwagen lagen auch hierzulande unterm Weihnachtsbaum.