zufällige Doku

Warum der EKD-Ratsvorsitzende Schneider sein Amt aufgibt (Phoenix Doku)


Unsere Liebe ist stärker als der Tod

„Nikolaus schenkt mir dieses eine Jahr.“ Das sagt Anne Schneider, weil ihr Mann Nikolaus vorzeitig von seinem Amt als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland zurücktritt. Er beendet seine Karriere an der Kirchenspitze, um ganz für seine Frau da zu sein. Denn sie hat eine lebensbedrohliche Diagnose bekommen: Brustkrebs. Sechs Monate Chemotherapie, dann OP, dann Bestrahlung, immer zwischen Angst und Hoffnung. Schneiders wissen, was das bedeutet. Vor genau zehn Jahren haben sie ihre jüngste Tochter Meike begleitet, die Studentin war, an Leukämie erkrankt. Doch der Kampf war vergeblich, Meike starb.
Anne und Nikolaus Schneider sind überzeugte Christen, aber der Tod der Tochter damals war eine schwere Prüfung für ihren Glauben. „Die Liebe hat uns immer gehalten.“ sagen sie. Seit 45 Jahren, seit ihrem Studium der Theologie sind Anne und Nikolaus Schneider ein Paar. Sie wurde Lehrerin, er Pfarrer. Alles miteinander teilen, über alles sprechen können, das ist ihr Rezept. Es galt in der ersten Zeit im Pfarrhaus einer Kirchengemeinde, es galt, als er zuletzt oberster Repräsentant der Evangelischen Kirche war. So haben sie auch ethische und kirchenpolitische Fragen ausführlich diskutiert, und sie waren nicht immer einer Meinung. Das gilt auch für ein Thema, das gerade politisch und jetzt auch persönlich aktuell ist: Sterbehilfe. Anne Schneider nimmt für sich in Anspruch, im äußersten Fall auch aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können. Ihr Mann Nikolaus lehnt den begleiteten Suizid ab. „Aber,“ sagt er, „wir haben das besprochen.“ Er würde in jedem Fall an der Seite seiner Frau bleiben, weil die Liebe stärker sei als der Tod.