zufällige Doku

Verschwörungstheorie – Das Attentat auf Papst Johannes Paul II


Ali Ağca stand den Grauen Wölfen nahe. 1979 ermordete er den Chef der türkischen Zeitung Milliyet, den Journalisten Abdi İpekçi. Zuvor organisierte er in Ankara und Istanbul zusammen mit seinem Weggefährten Abdullah Çatlı Schießereien und Straßenkämpfe gegen links- und kemalistisch orientierte Studenten. Nach dem Mord an İpekçi verließ Ağca Istanbul, flüchtete mit Haluk Kırcı, einem anderen hochrangigen Mitglied der Grauen Wölfe, nach Erzurum und versteckte sich dort. Doch schon bald kehrte Ağca nach Istanbul zurück, wo er trotz gefälschtem Pass und Perücke von Polizisten erkannt und inhaftiert wurde. Er erhielt eine Gefängnisstrafe, konnte aber am 24. November 1979 aus dem Militärgefängnis Maltepe in Istanbul fliehen. Zeugen zufolge sollen ihm einige Soldaten, die den Grauen Wölfen nahestanden (Bünyamin Yilmaz), eine Waffe gegeben und bei der Flucht geholfen haben. Diese Aussage wurde jedoch bestritten: In jener Zeit herrschten Pressezensur und beschränkte Meinungsfreiheit; offizielle Untersuchungen waren nicht objektiv. Zwar versuchten unabhängige Quellen zu belegen, dass es unmöglich gewesen wäre, ohne Unterstützung des Militärs aus dem Militärgefängnis Maltepe zu fliehen, offizielle Anerkennung fand diese Theorie jedoch nicht. Ağca verübte das Attentat auf Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom am 13. Mai 1981 mit einer Pistole. Drei Kugeln trafen den Papst, eine davon verletzte ihn schwer. Während zwei Kugeln den linken Zeigefinger zertrümmerten und einen Streifschuss am rechten Unterarm verursachten, zerstörte die dritte Kugel mehrere Dünndarmschlingen und trat schließlich knapp neben der Wirbelsäule wieder aus. Ali Agca versuchte nach den Schüssen zu fliehen, konnte aber vom päpstlichen Personenschützer Camillo Cibin gestellt werden und wurde festgenommen. Über sein Tatmotiv äußerte Ağca im Lauf der Jahre Widersprüchliches. Ağca selbst gab bis heute keine Informationen über die Logistik des Anschlags preis. 2006 kam ein Untersuchungsausschuss des italienischen Parlaments zu dem Ergebnis, dass das Attentat auf Weisung Leonid Breschnews vom russischen Geheimdienst GRU in Auftrag gegeben wurde — in Zusammenarbeit mit dem bulgarischen Geheimdienst und dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Nachdem er im Juli 1981 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, amnestierte ihn am 13. Juni 2000 (nach 19 Jahren Haft) der italienische Präsident Ciampi auf Bitten des Papstes, und Ağca wurde in die Türkei ausgeliefert.

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