zufällige Doku

Sterben für Afghanistan – Deutschland im Krieg (ZDF Doku)


Die Dokumentation von Stefan Aust und dem Frontal21-Redaktionsleiter Claus Richter analysiert die Situation der Bundeswehr in Afghanistan zu Beginn des Jahres 2010, begleitet amerikanische Soldaten im Grenzgebiet zu Pakistan und schildert die Geschichte dieses Krieges, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit der Jagd auf Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden begann.

Der Bundeswehr-Einsatz wurde anfangs mit der Verteidigung der „Sicherheit Deutschlands am Hindukusch“ (Ex-Verteidigungsminister Peter Struck im Jahr 2002) begründet, war als „Stabilisierungseinsatz“ für den Aufbau der Demokratie gedacht, und wuchs sich nun aus zu einer höchst riskanten Operation, deren Ende nicht abzusehen ist. Es dauerte Jahre, bis in Afghanistan getötete deutsche Soldaten als „Gefallene“ bezeichnet wurden. Der Krieg wurde lange als „besondere Situation“ verharmlost, bis er endlich wenigstens als „kriegerisch“ bezeichnet wurde.

„Der Fall Kunduz“
Ausführlich beschäftigt sich die Dokumentation mit dem Angriff auf zwei Tanklaster in Kunduz im vergangenen September, bei dem mehr als 140 Menschen starben. Die Autoren schildern auch die Vorgeschichte dieses Luftschlags, der das Selbstbild der deutschen Politik erschütterte, weil sich die Illusion von der „Friedensmission“ nicht mehr länger aufrecht erhalten ließ. Letzten Endes war der Luftangriff die Folge einer dramatischen Zuspitzung der Lage rund um das deutsche Feldlager im Sommer 2009. Nahezu täglich wurden die Deutschen in schwere Gefechte verwickelt. Auch die Alliierten hatten zahlreiche Tote und Verwundete.

In dieser Situation, so die Autoren, musste Oberst Klein die Entführung der beiden Tanklaster als Bedrohung für die Sicherheit der eigenen Truppe ansehen. „Der Fall Kunduz“, sagt Harald Kujat, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, „zeigt wie unter einem Brennglas die Defizite in der Ausrüstung und in der Stärke des deutschen Kontingents dort vor Ort.“ Die Bundeswehr, so Kujat weiter, hätte nicht einmal geeignete eigene Aufklärungskapazitäten gehabt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Die Frage, die sich für die Politik stellt, ist eigentlich nicht die: Hat Oberst Klein richtig oder falsch gehandelt? Hat er angemessen oder unangemessen gehandelt? Sondern die Frage ist: Was hat ihn in diese Situation gebracht, in der er nicht anders entscheiden konnte?“

Kritik an Informationspolitik
Bislang wurden 36 deutsche Soldaten in Afghanistan getötet. Die Autoren Aust und Richter untersuchen den ersten Anschlag gegen die Bundeswehr im Juni 2003, bei dem vier deutsche Soldaten starben, und schildern die Geschichte des im April 2009 getöteten Gefreiten Sergej Motz. Der 21-Jährige war der erste im Gefecht gefallene deutsche Soldat seit dem Zweiten Weltkrieg. In beiden Fällen waren die Soldaten nicht ausreichend gesichert gegen die heimtückischen Angriffe der Taliban.

General hält Abzug für eine Illusion
Der Film beschäftigt sich auch mit der Zukunft dieses Einsatzes, den die Alliierten militärisch offensichtlich nicht gewinnen können. Die afghanische Armee soll möglichst zügig die Macht im Lande übernehmen, um den Abzug der Nato-Truppen zu ermöglichen. Diese Vorstellung hält einer der ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr, General Egon Ramms, Kommandeur des Allied Joint Force Command der Nato, für eine Illusion. „Die Abzugsdiskussion, in der Form, wie sie sich mittlerweile in den Medien widerspiegelt“, so Ramms gegenüber Frontal21, „ist für mich nicht real, das sage ich ganz deutlich. Es geht im Prinzip um eine Verkaufsstrategie an die Öffentlichkeit, wo man eine Perspektive aufbaut, für die Heimkehr der eigenen Soldaten.“

Zu Guttenberg relativiert Kriegsziel
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg relativiert inzwischen das Kriegsziel, die Vertreibung der Taliban aus Afghanistan: „Ist jeder Aufständische in Afghanistan gleichzeitig eine Gefährdung der internationalen Gemeinschaft? Oder überheben wir uns nicht drastisch, wenn wir genau das annehmen oder diese Differenzierung nicht vornehmen, und jeden, der dort eine Waffe in der Hand hat, zunächst einmal einen Gegner oder eine Gefahr der internationalen Gemeinschaft sehen?“ Für die Autoren der Frontal 21-Dokmentation sind solche Gedanken des amtierenden Oberbefehlshabers der Bundeswehr „ein öffentlicher Abschied von den Lügen und Illusionen eines achtjährigen Krieges.“

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,187 8050303,00.html

#Militär #Gesellschaft #Afghanistan #Krieg