zufällige Doku

Sibiriens Schicksalsstrom: Der Jenissei – Vom Paradies in die Hölle (Phoenix Doku)


Zweimal hat sich Dirk Sager, Sonderkorrespondent des ZDF, für seine Filmtrilogie auf eine abentuerliche Expedition nach Sibirien begeben: einmal im klirrenden Winter und einmal im glühenden Sommer. Nur so konnten er und sein Team das Land und seine Menschen mit all ihren Kontrasten und Widersprüchen erfassen. Die erste Etappe der Reise entlang des Jenissei, der sich über 4.000 Kilometer wie ein roter Faden durch die Dokumentarreihe zieht, führt vom Quellgebiet durch die Republik Tuwa flussabwärts bis nach Krasnojarsk, wo zu Sowjetzeiten drei Plutonium-Reaktoren betrieben wurden.

Als schmaler Bach wechselt der Kleine Jenissei, der von den beiden Quellflüssen der längere ist, über die Grenze der Mongolei nach Russland. Die Region ist so einsam, dass das sonst so auf seine Sicherheit bedachte Moskau dort nicht einmal Grenzposten aufstellt. Man muss kein Romantiker sein, um in der von schroffen Gebirgsmassiven umgebenen Hochebene eines der letzten Paradiese auf Erden zu erkennen. Herden wilder, zotteliger Yaks durchstreifen die Region und erinnern daran, dass wir Tibet näher sind als dem russischen Kernland. Nur Jäger verbringen einsame Wintertage am Oberlauf des Flusses. Am nächtlichen Feuer ist der richtige Moment gekommen, um in Gesprächen Glück und Unglück des Landes auszuloten.

Weiter geht die Reise zu den Tuwinen, über die Eroberer aus der Mongolei und China hinweg gezogen sind, bevor der stalinistische Terror über das kleine Volk kam. Die Sowjets haben nicht nur die Tuwinen unterjocht, sie legten auch den Jenissei „in Ketten“. Mit zwei riesigen Staudämmen schufen sie Seen von fast 400 Kilometer Länge. Dörfer versanken im Wasser, der Fluss verlor an Kraft zur Selbstreinigung, und das Klima an den Ufern hat sich verändert.

Am Ende der ersten Etappe steht der Name Krasnojarsk 26, Code-Name für einen der geheimen Orte der Sowjetunion. In drei Plutonium-Reaktoren wurde hier zu Stalins Zeiten ein höllisches Feuer entzündet. Das große Sperrgebiet umschloss gewaltige Bunkeranlagen und eine kleine Stadt, in der die 10.000 Beschäftigten der Anlage wohnten. Den Dorfbewohnern in der Nachbarschaft wurde der wahre Zweck geheim gehalten. Dennoch verfolgten sie die Aktivitäten mit Misstrauen. Sie sahen Fische im Fluss sterben und registrierten neue Krankheiten in den Familien. Ausgerechnet ein Polizeihauptmann setzte zur Gegenwehr an. Auch Zivilcourage hat eine Heimat in Russland.