zufällige Doku

Orson Welles – Das Hörspiel von 1938


Das Buch wurde von Orson Welles und dem Mercury Theatre als Hörspiel in Form einer fiktiven Reportage nach einer Adaption von Howard Koch inszeniert, das der amerikanische Radiosender CBS am Abend vor Halloween am 30. Oktober 1938 ausstrahlte. Dazu wurde der Handlungsort von England nach Grover’s Mill (New Jersey) in den USA verlegt und die Geschichte entsprechend angepasst. Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Irritationen bei der Bevölkerung von New York und New Jersey, die teilweise das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt und einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer befürchtete. Die Berichterstattung über diese Vorfälle machte die Sendung und damit auch den jungen Orson Welles weltberühmt. Einige Beschreibungen einer landesweiten Massenpanik sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die kommunikations- und literaturwissenschaftliche Forschungsliteratur, allen voran eine Feld-Untersuchung von Hadley Cantril aus dem Jahr 1940, stellen die allzu gerne geäußerte kopflose Hysterie in Frage. Heute wird davon ausgegangen, dass die immer wieder kolportierte Massenpanik ausschließlich medial existierte. Allenfalls einige wenige Zuhörer sollen auf das Hörspiel hereingefallen sein. Auch das Anrufaufkommen im Sender CBS war lediglich etwas höher als sonst. Offenbar war Orson Welles mitten in einen Medienkrieg geraten, in dem sich die Zeitungen gegenseitig mit sensationellen Berichten zu übertrumpfen versuchten. Die von Welles im Vorfeld den Medien zugespielten Informationen über seinen Hoax (Halloweenstreich) wurden zu Berichten über Massenpaniken aufgebauscht. Ein Bericht unterstellte Orson Welles sogar, für den Tod eines Menschen verantwortlich gewesen zu sein. Orson Welles und sein Drehbuchautor Howard Koch nutzten das Spektakel als Karrierechance. Welles gab später zu Protokoll, er habe nicht mit dem Erfolg des Hörspiels gerechnet und daher den Bezug zu Halloween hergestellt, um wenigstens irgendwie aufzufallen. Howard Koch, der schon 1938 das Drehbuch für das Hörspiel geschrieben hatte, bearbeitete auch 1975 das Sujet für den dokumentarischen Spielfilm The Night That Panicked America, der die Radiosendung und die Reaktionen in der Öffentlichkeit beschreibt. 1997 folgte eine Neueinspielung des Hörspieles unter der Regie von John de Lancie und Sprechern aus der Fernsehserie Star Trek (unter anderem Leonard Nimoy, Gates McFadden) im Rahmen der LA Theatre Works. 1977 sendete der WDR eine deutsche Bearbeitung des Hörspiels von Klaus Schöning. Das englische Originalhörspiel wurde hierbei durch damals bekannte Radiojournalisten (Dieter Thoma, Lothar Dombrowski) unterbrochen, die die englischen Texte „übersetzten“ und so scheinbar echte Nachrichten über die Invasion brachten. Trotz der mehrfach eingestreuten Hinweise auf den fiktionalen Charakter und trotz des deutlich hörbaren Alters der Originalaufnahme gab es bei der Erstausstrahlung viele besorgte Anrufe. Zu Halloween 2010 sendete der Hamburger Radiosender Oldie 95 eine deutsche Version der US-Urfassung. Bei „Ufos über der Elbe“ wurde die Story auf Hamburg übertragen. Sowohl original Schauplätze der Hansestadt als auch original Moderatoren und On-Air-Elemente wurden dabei verwertet, sodass tatsächlich besorgte Hamburger nach Ausstrahlung auf UKW 95.0 die Polizei alarmierten.

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