zufällige Doku

Operation Paperclip – Deutsche Raketenforscher für die USA


Die Operation Overcast (engl. overcast = bewölkt, wolkenverhangen) war ein militärisches Geheimprojekt der USA aus dem Jahr 1945, um nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg deutsche Wissenschaftler und Techniker und deren militärtechnisches Können und Wissen für eigene Zwecke zu rekrutieren. Unter dem Codenamen Operation Paperclip (Büroklammer) fand kurz darauf die Verbringung der ersten Gruppe, der Beginn der Umsetzung der Operation Overcast, statt. Ab 1946 wurde der Begriff Project Paperclip für die Einbürgerung der Wissenschaftler und die Fortsetzung der Operation Overcast verwendet. Heute werden die Begriffe oft (eigentlich fälschlich) synonym benutzt. Unter dem Decknamen Operation Paperclip wurde noch im Sommer 1945 die erste Gruppe von Wissenschaftlern in die USA gebracht. Der Name Paperclip (deutsch: Büroklammer) leitete sich von den in den entsprechenden Akten eingesteckten Büroklammern ab, die die Seiten mit relevanten Wissenschaftlern kennzeichneten, die in die USA zu überführen waren. Die Wissenschaftler wurden auch Paperclip Boys genannt. Ursprünglich sollten 100 einreisen, tatsächlich betrug dieses Kontingent 127 Personen. Kern der Wissenschaftlergruppe war die unter der Führung von Dr. Wernher von Braun stehende Peenemünder Gruppe von Raketenexperten, die während des Winters 1945/46 in Bad Kissingen im Hotel „Wittelsbacher Hof“ untergebracht war und zu Jahresbeginn 1946 in die USA verbracht wurde. Spätestens 1946 war klar, dass es nicht bei der ursprünglich geplanten Aufenthaltsdauer von 6 Monaten bleiben würde, auch die ursprüngliche Höchstzahl von 350 Personen galt als nicht mehr ausreichend. Ein gemeinsames Komitee aus Heer, Marine und Außenministerium erarbeitete Grundsatzentwürfe, wie zusammen mit Großbritannien eine Ausweitung und Fortführung des Programms geregelt werden sollte. So wurde die Anzahl der Betroffenen auf insgesamt 1000 erhöht, sowie der Nachzug der Familien bis hin zur späteren Einbürgerung geregelt. Diese Grundsätze wurden in einem geheimen Dokument mit dem Titel Einsatz der österreichischen und deutschen Wissenschaftler im Rahmen des Projekts Paperclip fixiert. Neben dem Begriff Operation Paperclip wird hier auch der Name Project Paperclip für dieses „Unterprojekt“ eingeführt und auch für die Operation Overcast allgemein verwendet, die damit nicht mehr klar zu trennen sind. Am 13. September 1946 unterzeichnete US Präsident Harry S. Truman das Dokument. Die „Grundsatzerklärung“ trat am 24. Oktober in Kraft. Erst jetzt wurde die Anwesenheit der deutschen „Nazi“-Wissenschaftler der amerikanischen Öffentlichkeit durch die Massenmedien bekannt gegeben, die darauf überwiegend mit Unverständnis und Ablehnung reagierte. Mit den Technikern wurde auch die komplette nach dem Krieg übrig gebliebene Technik verschifft, sofern sie in die Hände der darauf angesetzten amerikanischen Einheiten fiel. Dies waren im wesentlichen noch nicht gestartete V2-Raketen und teilweise fertiggestellte Raketenmotoren aus Peenemünde und aus der KZ-Fertigungsanlage Dora-Mittelbau, die sonst der UdSSR zugefallen wären. In Fort Bliss, White Sands, New Mexico, sollten sie an der Weiterentwicklung der amerikanischen Raketentechnik forschen. Zwischen April 1946 und Oktober 1951 wurden 66 V2-Raketen testweise in White Sands gestartet. Einige waren mit Pflanzen, manche sogar mit Versuchstieren bestückt, die alle bei den Landeaufschlägen getötet wurden. Ab Ende 1951 wurden die Starts nach Cape Canaveral, Florida verlegt. Daraus erwuchsen lange danach die bemannten Raumfahrtprogramme, die zur Mondlandung führten.

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