zufällige Doku

Nicht vergessen, nicht vergeben – Armenien und die Türkei (Phoenix Doku)


Der Streit schwelt bis heute. „Für uns ist der Erste Weltkrieg immer noch nicht zu Ende“, sagt ein Armenier in Eriwan. Noch immer trauern die Menschen um ihre Vorfahren und beklagen den Verlust der Dörfer und Städte in West-Armenien, wie sie Ostanatolien bezeichnen.Armenien bezichtigt das damalige osmanische Reich, vor 100 Jahren, bis zu 1,5 Millionen Armenier ermordet zu haben. Offizielle türkische Kreise und auch ein Großteil der türkischen Bevölkerung bestreiten das: Die Armenier seien Kriegsgegner gewesen, es habe auf beiden Seiten durch die üblichen Auseinandersetzungen in einem Weltkrieg Opfer gegeben, mehr nicht, kein Grund zur Entschuldigung.Wir treffen junge Armenier, die uns sagen, dass sie niemals einem Türken die Hand schütteln würden, dass sie niemals in die Türkei reisen würden, dass sie noch nicht einmal türkische Produkte kaufen würden. Doch es gibt auch andere Armenier, die mehr oder weniger heimlich über Georgien in die Türkei ausreisen, um dort nach Arbeit zu suchen. Armenien ist bettelarm, ist nicht nur mit der Türkei, sondern auch mit seinem anderen großen Nachbarland Aserbeidschan verfeindet, hat kaum eigene Ressourcen – die einst blühende Sowjetrepublik liegt wirtschaftlich am Boden.Die wenigen Armenier, deren Familien in der Türkei geblieben sind, haben sich mit der Regierung in Ankara arrangiert: Unter dem Porträt von Atatürk feiern sie ihre christlichen Feste. „Wir sind doch alle Kinder Anatoliens“, sagte der armenische Bischof von Istanbul – und diese Kinder sollten nach 100 Jahren wieder miteinander sprechen.Einen ersten Schritt in diese Richtung hat der Bürgermeister von Diyarbakir im Osten der Türkei gemacht: Er hat sich im Namen der Kurden für das den Armeniern zugefügte Leid entschuldigt.