zufällige Doku

Meine, deine, unsre Kinder – Herausforderung Patchworkfamilie (Phoenix Doku)


Patchworkfamilien sind nichts Exotisches mehr: Zwischen sieben und 13 Prozent aller Familien in Deutschland sind „zusammengeflickt“ (Quelle: Monitor Familienforschung). Wovon ist abhängig, ob die Beziehung zwischen Stiefeltern und Kindern gelingt? Warum lauern so viele Probleme im täglichen Zusammenleben? 37 Grad begleitet zwei Familien in ihrem manchmal schwierigen Alltag.Christina (47) und Phillip (44) leben seit elf Jahren als Patchwork-Familie in Berlin, zusammen mit Christinas Kindern Till (19), Lina (17), Carlo (15), Mia (13) – und dem gemeinsamen Kind Liv (7). Phillips Sohn Luca (19) ist bereits ausgezogen. „Jedes Kind hatte eine ganz schwierige Phase und ist eine Zeitlang regelrecht durchgedreht. Aber eben nicht alle auf einmal, sondern eins nach dem anderen“, so Christina. Dabei mussten sie und Phillip ja nicht nur mit „durchdrehenden“ Kindern zurechtkommen, sondern auch ihre Beziehung zueinander im Zusammenleben erproben – nachdem sie sich auf einem Elternabend kennen gelernt und verliebt hatten. Und außerdem ihrer Arbeit nachgehen – ebenso wie Phillip leitet Christina eine soziale Einrichtung in Berlin.Christina musste oft darüber nachdenken, wie viel von ihrem Ärger auf den Vater ihrer Kinder oder dem Glück einer neuen Liebe oder den Gefühlsverwirrungen sie ihren Kindern zumuten darf. Denn die hatten es sowieso nicht leicht mit ihren neuen Geschwistern. „Das fängt ja morgens schon an. Wer darf wie lange ins Bad? Immer fühlt sich einer benachteiligt.“Leben in verschiedenen WeltenAm Wochenende schauen Leon (10) und Jette (6) manchmal von morgens bis abends fern bei ihrer Mutter. Das würde Janet gerne verhindern. Aber das darf sie als Stiefmutter nicht, weil Kinder jedes Wort gegen ihre „richtige“ Mutter schrecklich finden. Andererseits soll Janet so offen und ehrlich mit ihren Stiefkindern umgehen wie mit ihren eigenen. Ein Dilemma. Dirk und Janet wohnen erst seit einem Jahr zusammen in der brandenburgischen Kleinstadt Königs Wusterhausen, mit seinen beiden und ihren beiden Kindern und dem gemeinsamen Kind Frieda (1). Dirk (38), Motorradfahrer, Jäger und Inhaber eines gutgehenden Geschäftes, versucht noch, sich in den Patchwork-Alltag einzufinden: „Meine Kinder und die von Janet sind völlig verschieden.“ Emil (4) und Jule (7) sind kleine blonde Rabauken, Leon (10) und Jette (6) dagegen still und eher verschlossen. Da ist die Gefahr groß, dass Emil ständig zurechtgewiesen werden muss und Leon dabei in Vergessenheit gerät. „Wir haben schon gemerkt, dass jeder seinen eigenen Bereich braucht.““Ich schaffe es immer noch nicht, das Haus zu betreten, in dem meine Kinder wohnen“, sagt Eric, der Vater von Emil und Jule. Jedes zweite Wochenende sind die Kinder bei ihm in Dresden, und dann bringt er sie zurück nach Königs Wusterhausen – bis zur Gartentür. „Ich wollte mit Janet zusammen alt werden. Und als sie sich in einen anderen verliebt hat, wollte ich die Kinder zu mir nehmen.“ Doch nach zig Gerichtsterminen und Gutachterbesuchen hat Eric darauf verzichtet. „Das ganze Hin und Her ist für die Kinder eine Katastrophe“, lautete Erics Einsicht. Und er beschloss, um der Kinder willen auf das zu verzichten, was ihm das Liebste gewesen wäre: mit ihnen im Alltag zu leben. Jetzt sieht er sie, wie viele getrennte Väter, nur noch an jedem zweiten Wochenende.Zusammenleben für Fortgeschrittene…Patchwork ist eine Herausforderung, und manchmal eine Überforderung. Zuhause am Küchentisch sitzt oft jemand, an den man sich gewöhnen soll – und der „neue“ Vater, die „neue“ Mutter müssen sich an ein fremdes Kind gewöhnen und umgekehrt. Auch die vorherigen Trennungen und Verluste wirken nach und erschweren das Zusammenleben. Studien zufolge zerbrechen Patchwork-Familien häufiger als Kernfamilien. Sie sind großen Herausforderungen ausgesetzt: Vergangenheit, Expartnern, Konkurrenz und Eifersucht. Stiefeltern und -kinder haben einander nicht ausgesucht. Keine „böse Stiefmutter“ sein – das versuchen viele Patchwork-Eltern Tag für Tag.