zufällige Doku

Im Visier der Grizzly-Giganten (Phoenix Doku)


Die Schlagzeile in der Alaskanischen Anchorage Daily News verschlug mir den Atem: „Giant Grizzly Skeleton found on Aleutian Islands“. Goldsucher hatten an einer der entlegensten Küstenregionen Westalaskas ein Bärenskelett von unglaublicher Größe gefunden. Aufgerichtet muss dieses Tier über vier Meter groß gewesen sein. Am Skelett befanden sich noch Fellstücke. Der Bär kann höchstens ein paar Jahre in dem kalten arktischen Klima gelegen haben. Immer wieder gab es Gerüchte über besonders riesige Bären, die in abgelegenen Gebieten Alaskas überlebt haben sollen.Indianer erzählen von ihnen, Jäger haben sie gefährtet und Buschpiloten vom Flugzeug aus gesehen. Bärenfelle groß wie BisonhäuteDer Gedanke, einen solchen Bären vor die Filmkamera zu bekommen ließ mich nicht mehr los. Existieren sie immer noch? Ich musste es herausfinden! Auf der Spur der Riesenbären durchforschte ich alles an Literatur, was ich bekommen konnte. Aber alle bisherigen Angaben waren sehr vage. Den bisher konkretesten Fund machte ich mit meinem indianischen Freund Greg vor einigen Jahren. In einer verlassenen Trapperhütte lagen alte Fotos von unglaublich großen Bärenfellen, vor denen Jäger posierten. Die Fotos stammten aber offensichtlich aus den 30er oder 40er-Jahren und waren auf der Insel Kodiak aufgenommen. Bärenfelle, so groß wie Steppenbisonhäute. Bis dahin war es für mich der aktuellste Beweis für die Existenz der Giganten.Seit über 15 Jahren filme und fotografiere ich Grizzlys in Nordkanada und Alaska. Jedes Jahr kehre ich an mir vertraute Orte zurück um „meine Bären“ wieder zu treffen. Viele der Tiere kenne ich schon seit Jahren und sie mich. Für einige Menschen mag das wie eine Mär klingen aber Bären haben eine sehr hohe „tierische Intelligenz“ und ein sehr sehr gutes Erinnerungsvermögen. Meine Drehorte liegen in den abgelegenen Regionen des Nordens, dort wo oft seit Jahren keine Menschen mehr gewesen sind. Viele der Grizzlys, die ich kenne, haben in ihrem Leben, außer mir, noch nie einen Zweibeiner gesehen.Uneingeschränkter HerrscherObwohl Braunbären keine sozial organisierten Tiere sind, soziales Verhalten gibt es nur zwischen Bärin und ihren Jungen, gehen manche doch dem Menschen gegenüber eine Beziehung ein. Hat ein Grizzly einmal die Erfahrung gemacht, dass vom Menschen, in dem Falle von mir, keine Gefahr ausgeht, verhält er sich Zweibeinern gegenüber ziemlich vorbehaltlos. Er ist sich seiner Stärke instinktiv bewusst. Jahrzehntausende lang war er der uneingeschränkte Herrscher der Tundren und Taigawäldern. Ureinwohner sind der Konfrontation mit Bären fast immer aus dem Weg gegangen. Mit Speerschleuder, Pfeil und Bogen und Lanze war die Gefahr viel zu groß von einem halbwüchsigen oder erwachsenen Bär schwer verletzt oder gar getötet zu werden.Noch heute überlassen Indianer, wenn sie einen Elch oder Karibou erlegt haben und nicht alles Fleisch auf einmal abtransportieren können, den Grizzlys einen Teil ihrer Beute, wenn dieser am erlegten Tier auftaucht um den „Kadaver“ in Besitz zu nehmen. In ihren Mythen und Legenden sind Braunbären gottgleiche Wesen, mit denen man sich besser nicht anlegt. Noch heute ist der Respekt der Indianer vor dem Herrscher des Nordens sehr groß. Oft kritisieren mich indianische Freunde für meinen Umgang und mein Verhalten gegenüber den Bären. „So etwas würden nur Weiße tun, die mit zu wenig Respekt in die Wildnis eindringen“. Über die vielen Jahre habe ich mir mein eigenes Bärenweltbild zurecht gelegt.