zufällige Doku

Hungriges Indien (ZDF Doku)


Die Inflation in Indien ist mit 10 Prozent eine der höchsten in Asien. Besonders stark steigen die Preise für Lebensmittel. Wir wollen wissen, warum – denn dies trifft jene am meisten, die am wenigsten haben.
Ein Straßenmarkt in Indiens Hauptstadt Neu Delhi. Roopa Vanvari geht hier für ihre Familie einkaufen. „Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll,“ sagt sie. „Die Preise schießen derzeit in die Höhe. Es ist schwierig, die Ausgaben zu managen.“

1,2 Milliarden Einwohner muss das Land derzeit ernähren. Und noch immer leiden Millionen Menschen in Indien an Hunger, stehen Schlange für eine gespendete Mahlzeit. Hinzu kommt: Indiens Bevölkerung wächst rasant. Schon bald werden hier mehr Menschen leben als in jedem anderen Land der Welt. Den Hunger zu bekämpfen ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft.

Roopa Vanvari kauft regelmäßig für ihre Familie bei den Straßenhändlern im Viertel ein. Supermärkte gibt es kaum, auch nicht in den Städten. Im vergangenen Jahr lag die Teuerungsrate in Indien bei fast 10 Prozent. Umso wichtiger für Roopa Vanvari: Mit den Verkäufern zu verhandeln: „Heute kosten die Zwiebeln 15 Rupien pro Kilo, früher waren es nur 7 oder 8. Das ist fast das Doppelte. Gleiches gilt für die Kartoffeln. Die Preise haben sich verdoppelt.“

2 Euro am Tag
© Ulrike Wittern Lupe
Während die normale Verbraucherpreisinflation in Indien bei fast 10 Prozent lag, stiegen die Lebensmittelpreise sogar zweistellig.
Umgerechnet sind das rund 20 Cent für ein Kilo Zwiebeln – klingt wenig. Doch mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt von weniger als zwei Euro am Tag. Obst ist für viele unbezahlbar geworden, kostet zum Teil soviel wie bei uns. „Diese Äpfel kosten umgerechnet 20 Euro. Diese hier 2 Euro und die Granatäpfel 60 Euro“, erklärt ein Obst-Verkäufer. „Die Ware hat einen langen Weg hinter sich, deshalb steigen die Preise.“

Wie mühsam Lebensmitteltransporte in Indien sind, zeigen wir später. Zunächst begleiten wir Roopa Vanvari nach Hause. Ihr Mann Lokesh ist Vermögensverwalter, Sohn Varun ist 14 Jahre alt und geht auf eine Privatschule. Die Familie lebt zusammen mit den Eltern in einem Haus.

„Wir werfen nichts weg“
© Ulrike Wittern Lupe
Lokesh Vanvari ist selbständiger Vermögensverwalter, seine Frau Roopa arbeitet halbtags mit. Die Familie gehört zu Indiens Mittelschicht.
Mit einem Einkommen von rund 1500 Euro im Monat gehören die Vanvaris zur oberen Mittelschicht. Dazu zählen inzwischen immer mehr Inder, die auch mehr Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch kaufen. Abends gibt es das Nationalgericht: Reis mit Dal, ein einfaches Linsengericht. „Wir essen eigentlich ganz einfache Sachen, nichts luxuriöses. Dafür geben wir mindestens 220 Euro im Monat aus,“ erzählt Roopa Vanvari beim Kochen. Das ist mehr als viele Inder im Monat verdienen. Im Schnitt geben indische Familien fast die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel aus. „Wir werfen nichts weg und ich kalkuliere die Portionen sehr genau, so versuchen wir halt zu sparen,“ sagt sie.

Abends isst die Familie zusammen. Die Vanvaris sind Vegetarier, so wie viele Inder. Von den steigenden Preisen für Gemüse sind sie deshalb besonders betroffen. Wir wollen wissen, warum Lebensmittel in Indien immer teurer werden!