zufällige Doku

Guernsey – Kronjuwel im Gezeitenstrom (Phoenix Doku)


George de la Mare könnte in einer der vielen Finanzfirmen und Banken Guernseys sein Geld verdienen. Doch George sucht sein Glück auf dem Meer. „Ich mag das Gefühl der Freiheit auf See“, sagt er, der noch zu jung zum Autofahren ist. Der 17-Jährige lernt von erfahrenen Seeleuten das „Line Fishing“. Bei dieser uralten Methode sollen mit vielen Haken an einer Leine viele Fische gleichzeitig gefangen werden. Aber nach dem langen Winter dieses Jahres gibt es weniger Fische als sonst. Ein schwieriger Start in die erste Saison als Fischer, der Broterwerb ist hart. Doch wenn George de la Mare Erfolg haben wird, so sichert er die Zukunft einer alten Tradition auf Guernsey.Tradition und Geschichte begegnen dem Besucher auf Guernsey überall. Die Tradition in Person ist Shaun Marsh: Er arbeitet als „Hausmeister“ im Castle Cornet im Hafen von Guernsey. Castle Cornet ist ein steinernes Ungetüm in der Hafeneinfahrt von Saint Peter Port – eine Wasserfestung. Shaun ist hier Kanonier, er feuert in seiner leuchtend roten Uniform jeden Tag um 12.00 Uhr die Kanone ab. Der Schuss erinnert daran, dass sich die Insel im Ärmelkanal oft verteidigen musste. „Ich bin zuallerst Bürger von Guernsey“, erklärt Shaun stolz, „dann erst Kanalinselbewohner und erst danach Brite. Aber ich bin nicht englisch!“Guernseys Geschichte ist wechselvoll. Im Mittelalter waren die Bande zur Normandie eng. Und so entwickelte sich eine ganz eigene Mundart, das Guernsey-Französisch. Es wird noch heute gesprochen, und Margaret LeCras gehört zu denen, die es lebendig erhalten. Als Kind in der Familie sprach Margaret „Patois“, englisch lernte sie erst in der Schule, erzählt die Seniorin beim Sommerfest der Insel. So heißt „Viaer Marchi“ im Guernsey-Patois „Alter Markt“. Auf dem Fest trifft man sich im Sommer, es wird gesungen und getanzt, Margarets Folklore-Gruppe trägt dazu historische Lieder auf Guernsey-Französisch vor.Die Mischung aus Englischem und Französischem macht die Insel im Ärmelkanal so einzigartig. Englische Briefkästen stehen unter französischen Straßenschildern, der französische Schriftsteller Victor Hugo schrieb hier seinen berühmten Roman „Les Miserables“. Auch die Küche ist eher französisch – zum Glück. Der Koch Mickael Pesrin und seine Frau Delphine betreiben das „Petit Bistro“ im Hafen von Saint Peter Port. Mickael und Delphine stammen aus Frankreich, sind aber überzeugte Insulaner. „Hier sind die Leute offener, nicht so arrogant“, freuen sie sich über ihre neue Heimat. Mit ihrer Kochkunst treffen sie den Geschmack der kulinarisch verwöhnten Einwohner genauso wie den der Touristen. Ihr Bistro ist beliebt, denn mit französischer Finesse machen sie das Beste aus dem Fang der Fischer von Guernsey.Die gewaltigen Gezeiten bestimmen das Leben auf der Insel. Richard Keen fährt jeden Morgen mit der Flut hinaus und taucht nach Jakobsmuscheln. Er ist weit über 60 und muss eigentlich nicht mehr arbeiten. Aber sein Herz hängt am Meer. Deshalb nimmt er Sue Daly mit auf seinen Tauchgang. Die Fotografin hält die Schönheit der Unterwasserwelt fest. Sue Daly wohnt auf der kleinen Schwesterinsel Sark.Auf Sark gibt es keine Autos, nur ein paar Trecker und Pferdefuhrwerke. Auch keine richtigen Dörfer, nur ein paar Häuser. Und deshalb spart man sich die nächtliche Straßenbeleuchtung. Für Sue ideal, denn auf Sark entstehen ihre faszinierenden Zeitraffer-Bilder des sternenklaren Nachthimmels. Aber Sue Daly fürchtet um die Idylle ihrer Heimat. Denn die milliardenschweren Gebrüder Barclay haben gerade ein weiteres Hotel auf ihrer beschaulichen Insel luxusrenoviert. Die Besitzer des berühmten „Ritz“-Hotels in London wollen mehr betuchte Besucher nach Sark locken. Dafür erlauben die Barclay-Zwillinge dem ARD-Team sogar einen Besuch auf ihrer Privatinsel Brecqhou. Sie haben den einst kargen Felsen neben Sark in einen blühenden Garten verwandelt und ihn mit einem steingewordenen Disney-Schloss gekrönt.