zufällige Doku

Flucht gegen den Strom – Auffanglager Schloss Barby (Phoenix Doku)


Verhöre, Schikane, Aufnahmelager: ein vergessenes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. Rüber machen – nicht von Ost nach West, wie Millionen andere, sondern von West nach Ost! Rund 600.000 Menschen siedeln bis zur Wende in die DDR über. Ihre erste Station nach ihrem Grenzübertritt: ein Aufnahmeheim.
Das größte von insgesamt fünf Aufnahmeheimen ist Schloss Barby, an der Elbe bei Magdeburg. Es untersteht dem Innenministerium. Einwanderer und Rückkehrer werden hier seit Ende der 50er-Jahre auf ihre Loyalität zum Sozialismus geprüft. Die Übersiedlungsgründe sind vielschichtig. Die meisten sind ehemalige DDR-Bürger, die wieder zurück in die Heimat wollen. Die Westdeutschen zieht es vorwiegend aus wirtschaftlichen oder privaten Gründen in den Osten. Weder Einwanderer noch Rückkehrer werden mit offenen Armen empfangen. Sie werden überprüft, verhört, unter Druck gesetzt. Wochenlang. Wer nicht ins System passt, muss zurück in den Westen.
20 Jahre lang diente das Schloss Barby dem DDR-Regime als Zentrales Aufnahmeheim. Vor dem Mauerbau waren die Bedingungen für die Übersiedler noch human. Viele wurden schnell in die DDR integriert oder wieder in den Westen abgeschoben. Das änderte sich mit dem Mauerbau 1961. Die Einreisewilligen wurden manchmal monatelang festgehalten, bevor sie eingebürgert oder abgeschoben wurden. Auch später, nach ihrer Entlassung in die DDR, hatten sie oft unter den Repressalien der Staatsicherheit zu leiden. Die Angst vor „Westagenten“ und „kriminellen Elementen“ war groß.
Die Reportage erzählt, wie es jenen Menschen erging, die – gegen den Strom – aus einer anderen Welt in die DDR kamen. Welche Beweggründe hatten sie? Wurde die DDR jemals zu einer Heimat für sie? Auch das spannungsvolle Verhältnis der Bewohner von Barby zu ihrem Schloss ist Thema des Films.