zufällige Doku

Die mit den Ohren sehen – Neue Wege für blinde Kinder (ARD Doku)


Frida saust mit ihrem kleinen roten Laufrad durch Berlin. Sie schnalzt mit der Zunge. Plötzlich passiert ein Missgeschick: Das kleine Mädchen fährt gegen einen Postkartenständer, der auf dem Bürgersteig steht. Frida kann nicht sehen, sie ist blind. Das Schnalzen mit der Zunge hilft ihr, sich zu orientieren, ohne Stock. So kann sie – mit noch ein wenig Übung – bald alleine Fahrrad fahren. Wie eine Fledermaus benutzt sie die Echos, die von den Wänden und Bäumen zurückkommen. So kann Frida „mit den Ohren sehen“. Gelernt hat sie diese faszinierende Methode von US-amerikanischen Blindentrainern.

Auch die zweijährige Juli ist seit ihrer Geburt blind und schnalzt sich seit dem Besuch der amerikanischen Echo-Seher erfolgreich durch Berlin. Juli und Frida sind die ersten blinden Mädchen in Deutschland, die diese Art des Echo-Sehens systematisch gelernt haben. „Wir haben lange nach einem guten Ersatz für das Sehen gesucht“, sagt Steffen Zimmermann, Julis Vater. Er und Ellen Schweizer, Julis Mutter, möchten, dass Juli sich so frei wie möglich in der Welt der Sehenden bewegen kann. Im Internet haben sie Videos der amerikanischen Trainer gesehen und diese dann auf eigene Kosten einfliegen lassen.

Das Echo-Sehen ist bisher in Deutschland weitgehend unbekannt. Nachdem aber die beiden Mädchen so gut mit der Methode zurechtkommen, wollen die Eltern nun auch anderen Blinden die Echo-Ortung nahe bringen. Ein weiteres Mal laden sie die amerikanischen Trainer ein, damit sie Frühförderinnen, Mobilitätstrainer und Eltern schulen. NDR Reporter Kolja Robra begleitete die blinden Mädchen und ihre Eltern ein halbes Jahr lang in Berlin.