zufällige Doku

Die Gärten von Delhi


Der Film „Die Gärten von Delhi“ entdeckt die boomende indische Metropole als eine der grünsten Städte der Welt mit ihren historischen Grabmal-Gärten, den internationalen Designs der Neureichen, den strengen Mogul-Anlagen und der kolonialen Gartenkultur der Engländer. Er taucht ein in extreme Gegensätze des Molochs, mit all seinem Elend, aber auch seiner farbigen Opulenz. Schon immer waren Gärten in Delhi wichtig, bis heute, sie spiegeln die Vielfalt der Epochen, Religionen und Kulturen, die diese Stadt zu einem Faszinosum machen.

Im Norden des Landes liegt die indische Hauptstadt Delhi, mit geschätzten zwölf bis sechzehn Millionen Einwohnern. Das dort herrschende Klima ist extrem, im Sommer klettert das Thermometer auf 47 Grad Celsius, im Januar gibt es Tage, an denen es mit 5 Grad Celsius empfindlich kalt ist. Auf den ersten Blick sind das keine idealen Bedingungen für Gärten und doch gibt es sie: Delhi ist eine der grünsten Städte der Welt mit öffentlichen und privaten Gärten, die für das europäische Auge ungewohnt sind.

Eingewachsen in die Stadt liegen Tausende von Denkmälern, vor allem Grabmäler, der letzten Jahrhunderte. Das Grabmal des indischen Herrschers Humayun aus dem 16. Jahrhundert ist vom ältesten erhaltenen Garten in Delhi umgeben. Die gesamte Anlage gilt als Weltkulturerbe. Erst vor kurzem wurde der streng geometrische Garten restauriert, seine linearen Sandsteinkanäle in Sand gesetzt und die Brunnen zum Sprudeln gebracht.

Es wurde großen Wert darauf gelegt, dass der Garten seine ursprüngliche Struktur wieder erhalten hat, ganz im Gegensatz zum so genannten Lodi-Garten. Um die rund fünfhundert Jahre alten Denkmäler der Lodi-Dynastie bauten die englischen Kolonialherren Anfang des 20. Jahrhunderts einen typisch englischen Landschaftsgarten. Es war die Zeit, als die Engländer Delhi zum Regierungssitz ausbauten. Sie hinterließen eine Gartenstadt, in der sogar die Kreisverkehre üppig bepflanzt und sogfältig gestaltet sind.

Ein besonderer Höhepunkt ist der Garten des Präsidenten-Palastes, er bildet eine Symbiose aus streng geometrischer Struktur und überbordender Bepflanzung. Eine moderne Übersetzung indischer Gartentraditionen will die Stiftung Sanskriti Kendra sein, die in ihrer Anlage Bezug nimmt auf die Stadt Delhi, ihre Denkmäler und Ruinen.

So spielt der rote Sandstein als Baumaterial eine wichtige Rolle. Für den indischen Gartengestalter Mohamad Shaheer lebt ein Garten von den Aktivitäten der Menschen. Sie müssen die Gärten beleben mit ihrer Energie und Spiritualität, erst dann ist ein garten ein belebter Ort, im Sinne der indischen tradition. Viele Gärten sehr reicher bewohner Delhis sind geprägt von internationalen Trends, die jedoch oft kombiniert werden mit den indischen ‚Vasthu-Prinzipien‘, bei uns bekannt als ‚Feng Shui‘ Lehre. Alle diese Gärten sind auf immensen Flächen angelegt, der größte im Film vorgestellte umfasst 30.000 Quadratmeter.

In diesen Dimensionen gibt es keine Blumen-Beete, sondern Blumen-Felder. Anders als bei uns sind die Gärten in Delhi zudem bestückt mit hunderten von Töpfen, was einen großen Arbeitsaufwand bedeutet, der aber in Indien willkommen ist: Je mehr Aufwand, desto mehr Arbeitsplätze. Die Gartenbesitzer profitieren auch davon: mit einer Blütenfülle, die alle zwei bis drei Wochen durch neue Blumentöpfe gewährleistet ist.