zufällige Doku

Die begehbare Bratwurst – und andere Wunder des deutschen Ostens (PHOENIX Doku)


Es gibt kaum ein Land, das ZDF-Reporter Gert Anhalt nicht bereist hat, im Nahen, im Mittleren und im Fernen Osten. Aber der andere, der nahe liegende Osten, blieb ihm auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch irgendwie fremd – wie übrigens auch und immer noch den meisten Westdeutschen. „Der deutsche Osten war für mich eine Landkarte voller schwarzer, mitunter sogar tiefschwarzer Flecken“, gibt Anhalt zu. „Ich hatte keine Ahnung, wo das sächsische Vogtland liegt, und dass „Tote Oma“ nicht notwendigerweise einen Trauerfall in der Familie, sondern auch eine Grützwurst bezeichnet. Und von Fassbrause hatte ich auch noch nie was gehört. Echte Wissenslücken!“ Also fasste der Autor sich ein Herz und die Kamera und brach auf – zur „Safari“ in jene geheimnisvollen Bundesländer, die immer noch als „neu“ bezeichnet werden. Am liebsten navigiert er abseits von großen Menschenansammlungen und entdeckt etwa das Grabgelege der sprichwörtlichen Pappenheimer in Gräfenthal und eines der wenigen gut erhaltenen subaqualen Darmbäder in der ehemaligen Arbeiterheilstätte Bad Gottleuba.

Gert Anhalt erklärt, warum Eric Clapton und Johnny Cash ohne den Ort Markneukirchen so nicht denkbar gewesen wären und lernt in Rockensußra, worauf man achten muss, wenn man einen Kampfpanzer zerlegen will. Mit dem Besuch eines engagierten Schlossherrn kann der Autor beweisen, dass durchaus nicht alle Westdeutschen mit ihren Ost-Immobilien unglücklich geworden sind, und begreift im Spreewald, dass das vereinte Deutschland immer noch tief gespalten ist – vor allem zwischen den Liebhabern milchsaurer und den Liebhabern essigsaurer Gurken. „Vielleicht haben wir im vereinten Deutschland noch nicht alles erreicht“, resümiert Anhalt, „aber in Holzhausen bei Arnstadt gibt es eine begehbare Bratwurst. Und das ist doch auch schon etwas“.