zufällige Doku

Der Tunnel von Sarajevo (arte/WDR Doku)


Er war nur 90 Zentimeter breit, 1,60 Meter hoch und 800 Meter lang und rettete doch einer ganzen Stadt das Leben. Zum ersten Mal erzählt ein Dokumentarfilm die Geschichte vom geheimen Tunnel von Sarajevo.

Sarajevo im Mai 1996: Ringsum auf den Bergen stehen die serbischen Truppen mit schwerem Gerät, es gibt keinen Ausweg aus der umringten Stadt: keinen Weg hinaus, keinen Weg hinein. In der Nacht versuchen verzweifelte Menschen, die Landebahn des Flughafens zu überqueren. Sie ist der einzige Verbindungsweg nach draußen. Doch der Flughafen wird von UN-Truppen kontrolliert. Sobald die UNPROFOR-Soldaten Schemen der Flüchtlinge entdecken, tauchen sie die Landebahn mit riesigen Strahlern in gleißendes Licht und geben die Menschen zum Abschuss frei. Die Rettung: ein geheimer Tunnel unter dem Flughafen.

800 Meter müssen überwunden werden, 2.800 Kubikmeter Erde sind allein mit Muskelkraft zu bewegen. Mit einfachsten Mitteln – Schaufel, Spitzhacke und Schubkarre – gelingt es, innerhalb von vier Monaten unbemerkt von der UNPROFOR und den serbischen Belagerern eine Verbindung unter dem Flughafen zur Außenwelt herzustellen.

Durch den schmalen Tunnel kriecht ein Menschenstrom, in beiden Richtungen kommen Lebensmittel, Benzin, Öl, Medikamente und vor allem Waffen in die Stadt. Selbst ein von Deutschland gespendetes Zwölf-Megawatt-Starkstromkabel sowie eine Treibstoffpipeline werden verlegt. Der Tunnel hat das belagerte Sarajevo gerettet.

Der Tunnel von Sarajevo ist eine noch kaum bekannte, einzigartige europäische Begebenheit. Er war während der Belagerung nicht nur der einzig sichere Weg aus der Stadt heraus und hinein, sondern er gab den Menschen vor allem psychologisch Auftrieb. Vor, während und nach dem Tunnelbau entwickelten die Menschen dort eine menschliche Nähe und existentielle Kraft wie nie zuvor oder danach. Der Film erzählt die Tragödien dieser Zeit und lässt gleichzeitig diese Gegenkraft, entstanden in einer schier ausweglosen, eingekesselten Lage, wieder aufleben.

Es ist verwunderlich, dass bis dato kein längerer Dokumentarfilm über diesen Überlebenskampf gedreht worden war, obwohl in den Archiven der Stadt wahre Schätze historischen dokumentarischen Filmmaterials über den Tunnel lagern. Der Grund: Mit dem Tunnel verbinden sich auch unangenehme Wahrheiten wie Korruption und Verrat. Die kontroversen Seiten der menschlichen Natur, wie sie gerade in Kriegen hervorbrechen, greift der Film auf und zeigt, wie die Folgen bis heute die Atmosphäre in der vordergründig blühenden Balkanmetropole prägen.

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