zufällige Doku

Den Göttern nah – Baden in Japan (arte Doku)


Onsen – das ist für die Japaner ein Zauberwort. Übersetzt heißt es nur „heiße Quelle“, und als Zusatz in einem Ortsnamen kommt es vielleicht dem deutschen „Bad“ am nächsten. Doch Japans Onsen sind keine Kurorte für Gebrechliche, sondern Spaß- und Freizeitfabriken für das ganze Volk – 140 Millionen Übernachtungen zählten die Onsen im vergangenen Jahr. Der Glaube an die auch innerlich reinigende Wirkung des Wassers – sei es heißes Wasser aus Vulkanquellen oder aber eiskaltes Flusswasser – ist tief in der japanischen Kultur und Religion verankert. Neben den Onsen, den natürlichen Quellen, haben die Sento, die traditionellen Gemeinde-Badehäuser, einen festen Platz in der japanischen Sozialgeschichte. Früher waren die Badehäuser, deren Wände traditionell mit dem Motiv des Bergs Fuji versehen sind, für die gesamte Nachbarschaft Treffpunkt, Nachrichtenbörse und Erholungszentrum in einem. Das Vorrücken der Dusche und des Privatbads hat die Kultur des Sento schwer angeschlagen. Zum japanischen Badevergnügen gehört auch das Essen, das nach oder zwischen dem Baden gereicht wird. In den Onsen-Ryokan, den traditionsreichen Gasthäusern und Herbergen, wird die feinste und raffinierteste Küche des Landes serviert. Der Auslandskorrespondent und Japanologe Gert Anhalt, selbst ein begeisterter Onsen-Tourist, hat Japans Badekultur erforscht: Er besucht mit dem Tokioter Verein zur Bewahrung des Sento eines der altehrwürdigen öffentlichen Badehäuser, trifft einen Maler, der schon 10.000 Mal den Berg Fuji an Sento-Wände gemalt hat, einen Tierarzt, der Haustiere in heißem Sand vergräbt, und ein junges Paar aus der Großstadt, das bei seinen Ausflügen in die Berge die fast vergessenen Freuden des Konyoku, des gemeinsamen Bades, wieder entdeckt.