zufällige Doku

Damaskus, voller Erinnerungen (arte Doku)


Der französische Soziologe Michel Seurat geriet 1985 im Libanon zwischen die verfeindeten politischen Lager. Die „Zeit“ berichtete damals: „Die schiitische Terrorgruppe Islamischer Dschihad verkündete die Hinrichtung des am 22. Mai 1985 entführten Soziologen und Libanon-Kenners Michel Seurat.“ Die Witwe des damals 38-jährigen Soziologen, Marie Seurat, wollte zuerst nie wieder in den Nahen Osten zurückkehren. Aber dann reiste die gebürtige Syrerin doch in ihre Heimatstadt Damaskus zurück und hat darüber einen Dokumentarfilm gedreht, der wie ein Brief an ihren verstorbenen Mann aufgebaut ist.

Vor dem Hintergrund der heutigen Ereignisse vermischen sich Maries Seurats Erinnerungen an die eigene Kindheit und an ihre Liebe zu ihrem Ehemann Michel mit der Geschichte des Landes. Marie Seurat wuchs in einer Familie auf, in der die Konflikte zwischen Christen und Moslems, zwischen Orient und Okzident, besonders ausgeprägt waren. Ihre Mutter war griechisch-katholischen Glaubens und stammte aus der christlichen Aristokratie, die seit dem 16. Jahrhundert in Aleppo vertreten ist und sich traditionell westlich orientiert. Marie Seurats Vater dagegen gehörte als anatolischer Christ der an Byzanz ausgerichteten syrisch-orthodoxen Kirche an. Während der großen Massaker von 1915 floh die Großmutter nach Syrien, nachdem über die Hälfte ihrer Familie von den Kurden getötet worden war. Jahrelang stand Seurat zwischen zwei Kulturen.

Erst durch die Ermordung ihres Mannes durch islamistische Fundamentalisten, entschied sie sich bewusst und mit großer Überzeugung für das Lager ihrer Mutter: Das Christentum. 30 Jahre nach dem Tod ihres Mannes folgte sie einem spontanen Bauchgefühl und kehrte in den Orient zurück, um sich dort ein Haus zu suchen, in dem sie das letzte Drittel ihres Lebens verbringen will. Ihre Eindrücke und ihre Empfindungen als syrische Französin und Witwe eines Opfers der Islamisten erzählt sie wie einen fiktiven Dialog mit ihrem Mann.