zufällige Doku

Als aus Sportlern Spitzel wurden – Das Stasi-Erbe des SC Neubrandenburg (NDR Doku)


Für viele Sportbegeisterte stellt der Leistungssport in der DDR immer noch einen Mythos dar. Der SC Neubrandenburg, eine „Medaillenschmiede“, übt nach wie vor eine große Anziehungskraft auf erfolgshungrige Sportfunktionäre aus. „Ich habe mich immer dafür geschämt, dass ich unterschrieben habe.“ Das sagt eine ehemalige Inoffizielle Mitarbeiterin des Staatssicherheitsdienstes der DDR (IM). Sie wollte nur Olympiasiegerin werden, eine Brieffreundschaft zu einem ägyptischen Athleten wurde ihr zum Verhängnis.

Am 30. April 1962 wurde der Sportclub Neubrandenburg gegründet. Die Erfolge seiner Sportler haben die Stadt im Osten Deutschlands international bekannt gemacht. Dafür stehen Namen von Sportlern wie Dittmer, Kumbernuss, Dietzsch und Bartels. Der Verein war schon vor dem Fall der Mauer ein zuverlässiger Medaillenlieferant des DDR-Sports. Sorgfältig sind die acht Olympia-Goldmedaillen und 43 Weltmeistertitel in der Vereinschronik des SC Neubrandenburg festgehalten.

Das Leben im DDR-Leistungssport hatte aber eine bislang nicht dokumentierte, dunkle Seite. Es war geprägt von Überwachung, Erpressung und Manipulation. Athleten, Trainer, Funktionäre, auch Journalisten spitzelten für die Staatssicherheit.

Der SC Neubrandenburg hatte bis zur Wende 350 Mitglieder. Im Club sowie in der Kinder- und Jugendsportschule arbeiteten bis zum Fall der Mauer über 50 Inoffizielle Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes. Die Geheimdienstoffiziere schafften es, mit ihrem IM-Netz den „Auftrag“ der Partei zu erfüllen: Nie flüchtete ein Sportler des SC Neubrandenburg bei Wettkämpfen oder Trainingslagern in den Westen. „Unsichere Kandidaten“ wurden rechtzeitig aus dem Leistungssport „entfernt“.

Zurück blieben Opfer, beispielsweise Sportler, die nicht abtrainieren durften. Einer hätte das fast nicht überlebt. Freundschaften zerbrachen, und die Spitzel von damals peinigt die Schuld. Sie alle kommen in diesem Film zu Wort, sodass sich erstmals ein detailliertes Bild der Stasi-Überwachung im DDR-Leistungssport ergibt.